Buddhismus

Der Buddhismus entstand in Indien und ist im Ursprung keine chinesische Religion. Siddhartha Buddha, geboren ca. 500 v. Chr. im heutigen Nepal, lehrte, dass das Leben von Leid geprägt ist und alles Zeitliche vergeht. Nur der Tod gilt als die einzige Sicherheit.

Um 520 n. Chr. brachte Bodhidharma (Ta Mo) den Buddhismus in das Shaolin-Kloster nach China. Dort vermischte er sich nach kurzer Zeit mit spät-taoistischen Inhalten. Boddhidharma lehnte rein rationales Denken ab; für ihn lagen die höchste Wahrheit und der Sinn des Daseins in der Meditation. Der Mensch muss seine Mitte (seine "Buddha-Natur") finden.

Im Kung Fu ist der Buddhismus in vielen Situationen spürbar. Das Training selbst wird als ein Weg des Lernens dargestellt, auf dem der Schüler geduldig auch unter Anstrengung tiefe Stände halten muss, um seinen Körper abzuhärten und über seine Grenzen hinauszuwachsen. Jede kleinste Bewegung kann entscheidend sein, daher sind höchste Aufmerksamkeit und Detailgenauigkeit.

Buddhismus im WingTsun

Im WingTsun ist es von großer Bedeutung, sich jeder Bewegung bewusst zu sein. Der Schüler lernt, jede Bewegung nacheinander präzise auszuführen. Die Siu Nim Tau (die erste WT-Form) kann als eine Form der Meditation im Stand betrachtet werden. Sie soll nicht ohne das Bewusstsein für die aktuelle Bewegung stattfinden (Achtsamkeitstraining).
Der Schüler konzentriert sich dabei jeweils nur auf eine "kleine Idee". Das bedeutet, sich voll und ganz auf die winzigen Bewegungen zu fokussieren, die er gerade ausführt. Die praktische Bedeutung der Technik tritt dabei kurzzeitig in den Hintergrund. Gerade in der Siu Nim Tau ist der buddhistische Einfluss stark spürbar, was man unter anderem an der "dreifachen Verehrung Buddhas“ (Wu Sao) im dritten Satz erkennt.

In den höheren Graden versteht man die Philosophie hinter der Kunst immer tiefer. Man führt die Bewegung nciht mehr nur aus - man wird eins mit der Bewegung.


Kurz Zusammenfassung der Lehre:

  • Eigeninitiative: Ohne eigenes Bemühen erzielt man keinen Fortschritt.
  • Geduld: Diese ist im Training mit Partnern sowie alleine unerlässlich.
  • Beständigkeit: Unermüdliches Üben - z. B. der WT-Formen - schult Gleichgewicht, Koordination, Entspannung und die richtige Atmung (Achtsamkeit).
  • Mentale Klarheit: Innere Ruhe statt Aggression.
  • Charakterbildung: Ziele sind Selbstständigkeit, Konzentration, Willensstärke und entschlossenes Handeln.